Warum bestätigen Geheimdienste das bis zu 25 % der Muslime im Westen radikal sind ?

Checked on January 15, 2026
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Executive summary

Die Behauptung, Geheimdienste bestätigten, bis zu 25 % der Muslime im Westen seien „radikal“, beruht auf unscharfen Zitaten, verschiedenen Definitionsrahmen und fragwürdigen Datenquellen; seriöse Geheimdienst- und Forschungsschätzungen, so berichtet, liegen deutlich niedriger (oft unter 1 % für gewaltbereite Extremisten) und betonen zugleich die Vielfalt der Ursachen von Radikalisierung [1] [2] [3].

1. Woher kommt die „15–25 %“-Zahl?

Die Formulierung taucht in Medien und in Dokumenten auf, etwa in Zitaten, die behaupten, „die Radikalen werden zwischen 15 und 25 Prozent geschätzt, laut allen Geheimdiensten weltweit“, und wurde mehrfach wiedergegeben [1] [4], doch die Herkunft dieser Pauschalaussage ist unpräzise dokumentiert und offenbar nicht durch öffentlich zugängliche, konsistente Geheimdienstanalysen gedeckt [1].

2. Was sagen tatsächliche Geheimdienst- und Forschungsschätzungen?

Konkrete, glaubwürdige Schätzungen westlicher Sicherheitsdienste und unabhängiger Forschung sprechen für erheblich kleinere Anteile: Untersuchungen, auf die Forscher wie Angel Rabasa sich berufen, legen nahe, dass in Westeuropa weniger als 1 % der muslimischen Bevölkerung ein reales Risiko darstellen, in Gewalt abzurutschen [1], und systematische Zählungen von inländischen Fällen zeigen, dass gewaltbereite Muslim‑Extremisten zahlenmäßig eine sehr kleine Minderheit bleiben [3] [2].

3. Warum weichen Zahlen so stark voneinander ab?

Unterschiede entstehen durch drei Faktoren: erstens die Definition von „radikal“ (von gesetzlich gewaltbereiten Terroristen bis zu Personen mit sympathischen oder konservativen Ansichten) — verschiedene Studien und Videos fassen Meinungen zu „radikal“ zusammen, was die Prozentwerte hochtreibt [5] [6]; zweitens methodische Probleme bei Umfragen unter schwer erreichbaren, heterogenen Minderheiten führen zu verzerrten Stichproben, speziell in europäischen Staaten ohne verlässliche religiöse Register [7]; drittens vermischen manche Quellen Geheimdienst‑, Meinungsumfrage‑ und Aktivisten‑Aussagen ohne klare Unterscheidung [1] [4].

4. Welche Rolle spielen Umfragen und Meinungsforschung?

Opinion‑Polls in Mehrheitsmuslimen Ländern oder selektiven Subgruppen können hohe Zustimmungswerte für bestimmte konservative oder antiwestliche Aussagen zeigen, doch als Beleg für 15–25 % „radikalisierte“ Muslime im Westen sind solche Ergebnisse problematisch: sie messen Haltungen (etwa Befürwortung von Scharia, Misstrauen gegenüber westlichen Außenpolitiken oder restriktivere Meinungsfreiheit), nicht notwendigerweise Gewaltbereitschaft, und wurden in kritischen Fact‑Checks als irreführend klassifiziert [5] [7].

5. Sicherheitsbehörden sehen trotzdem eine reelle — aber begrenzte — Bedrohung

FBI, europäische Polizeibehörden und Analysezentren betonen, dass gewaltbereite Islamist*innen zwar eine anhaltende Sicherheitsaufgabe darstellen, dass Täterprofile aber heterogen sind (Konvertiten wie Geborene, unterschiedliche Ethnien, soziale Hintergründe) und dass Prävention mehrschichtig sein muss — von Integration über Aufklärung bis zur digitalen Überwachung [2] [8] [9].

6. Politische Instrumentalisierung und Islamophobie‑Risiko

Die 15–25‑Prozent‑Formulierung wird politisch genutzt: Kampagnen, Interessengruppen und manche Beobachter — inklusive Berichte mit tendenziöser Wortwahl — haben ein Interesse daran, Bedrohungsszenarien zu dramatisieren oder politische Maßnahmen zu rechtfertigen; zugleich warnen Experten davor, dass das Herausheben kleiner Extremismusanteile zu Stigmatisierung und Islamophobie führen kann [4] [10].

7. Fazit: Was lässt sich mit den verfügbaren Quellen wirklich sagen?

Die Gewichtung der vorliegenden, überprüfbaren Quellen zeigt, dass die pauschale Behauptung, Geheimdienste bestätigten 15–25 % Radikalisierung im Westen, nicht durch robuste, öffentlich zugängliche Geheimdienstdaten gestützt wird; stattdessen zeigen Behördenanalysen und unabhängige Forschung, dass gewaltbereite Extremisten eine kleine Minderheit sind, während größere Prozentangaben meist auf breiteren oder unklar definierten Kriterien, fragwürdigen Umfragen oder politischer Rhetorik beruhen [1] [2] [5] [7] [3].

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Welche Definitionen von ‚radikal‘ verwenden Geheimdienste und Forscher, und wie ändern sie Zahlenwerte?
Wie verlässlich sind Umfragen unter muslimischen Minderheiten in Europa für Aussagen über Extremismus?
Welche Gegenmaßnahmen empfehlen Sicherheitsbehörden, um Gewalt‑Radikalisierung in westlichen Gemeinden zu verhindern?